Archiv für die Kategorie ‘Unvergesslich’

Unvergesslich: Fortuna 95 gegen Bayern
November 16, 2007Von Martin
Die „Unvergesslich“-Rubrik ist leider extrem vernachlässigt. Haben wir etwa vorwiegend emotions- und erinnerungslose eiskalte Tipper in unserer Runde? Ich mache jetzt mal einen zweiten Anfang, dann macht bestimmt Boris weiter (aber nicht verkünsteln, lieber Ex-Kollege) und unser aktueller Tabellenführer hat bestimmt auch etwas Unvergessliches in seiner langen Berufsjugend erlebt…
Unvergesslich: Fortuna 95 gegen Bayern
Es muss wohl die aktuelle Geschichte mit Herrn Hoeness sein, die ein wahres Kleinod unter meinen Erinnerungen wieder ans helle Licht der Gegenwart befördert hat. Bayern-Ärgerlichkeiten inspirieren offenbar.
1975, im Juni, Heimspiel unserer Fortuna im Rheinstadion. Gegner: die Überbayern – dreimal in Folge Meister – mit diversen Weltmeistern, Maier, Beckenbauer, Schwarzenbeck und natürlich Gerd Müller. Der junge Rummenigge wurde später auch noch eingewechselt. Bei der Fortuna dagegen eine Handvoll Routiniers mit Zewe, Seel, Zimmermann, Brei, Köhnen und ein bisschen Spielkunst mit Herzog und dem schnellen Geye (ja, das war lange vor der großen Zeit der Allofs-Brüder).
Mit meinem Vater eilte ich, gerade mal 11, viel zu früh kilometerweit zu der riesigen Betonschüssel am Stadtrand von Düsseldorf. Ich hatte wie immer panische Angst, wir kämen zu spät oder das Stadion wäre womöglich ausverkauft – was in diesen Jahren praktisch nie vorkam. Selbst zum Bayern-Spiel kamen gerade mal 30.000 Zuschauer. Es war der vorletzte Spieltag. Für Düsseldorf als Tabellenachten ging es um nichts mehr – nur um die Ehre…
Die erste Halbzeit war ein mittleres Desaster. Erst passierte eine halbe Stunde praktisch gar nichts und dann purzelten zwischen der 29. und 42. Minute sechs (!) Tore. Leider zwei mehr für die Bayern: 2:4. Alles wie im Zeitraffer. Man hatte gerade einen Treffer verdaut, da fiel schon der nächste. Und immer wenn es so aussah, als könnten wir rankommen, kam stattdessen die lebende Legende Gerd Müller und machte – wie beim Tipp-Kick – drei Tore in fünf Minuten.
In der Pause ließ das Raunen im Stadion kaum nach. Sechs Tore in einer Halbzeit. Wir hatten ordentlich gespielt, aber das Spiel war eigentlich schon weg. Doch es kam anders. Richtig gut.
Der Beginn der zweiten Halbzeit war durch das geprägt, wovon man als Fan bei aussichtslosen Rückständen bis zur letzten Minute träumt. Man rechnet. Minuten werden gezählt. Spekulationen. Insgeheim. Herzenswünsche. Wenn wir den schnellen Anschluss schaffen, ist noch was drin… Obwohl jeder im Stadion weiß, dass solche Hoffnungen äußerst unwahrscheinlich sind und sich meist auf irgendwelche spärlichen Erinnerungen berufen, bei denen andere Mannschaften vor sehr langer Zeit das Unmögliche noch geschafft haben. Karlsruhe hat z.B. viel später mal in Gladbach in den letzten fünf Minuten ein 0:3 in ein 3:3 ausgeglichen. Oder Bayer Uerdingen gegen Dresden nach 1:4 noch 7:4 gewonnen. An solche Spiele denkt man bei 2:4 Halbzeitstand gegen die Bayern. An solchen Ergebnissen halte ich mich heute bei Eintracht-Spielen auch manchmal innerlich fest.
Bei diesem Spiel damals erfüllten sich meine verrückten Fan-Hoffnungen nicht nur, sie wurden übertroffen. Mit drei sagenhaften Toren innerhalb von sieben Minuten kam die Fortuna zurück. Auf einmal wie aus dem Nichts 5:4. Wir waren zurück und ganz oben. Aber das Spiel war noch nicht aus. Noch einmal konnten die Bayern ausgleichen. Die Fans waren hin und her gerissen. Einerseits konnte man nach dem Spielverlauf mit dem Punkt zufrieden sein. Andererseits hatten wir die erkämpfte Führung wieder hergeschenkt. Und gegen die Bayern zu gewinnen war für jeden Fan außerhalb Münchens schon damals das Allergrößte. Aber viel Zeit zum Nachdenken gab es nicht. Denn Dieter Herzog machte das 6:5, ganz Düsseldorf glücklich und einen unglaublichen Nachmittag perfekt.
P.S.: In dieser Saison wurde Gladbach Meister, Düsseldorf Sechster, die Kickers unter Rehagel Achter und eine gewisse Eintracht schaffte den zweiten Platz. Ich gebe zu: Da ich – anders als Boris – kein wandelndes Fussballlexikon bin, habe ich alle Daten unter http://www.fussballdaten.de nachgesehen.

Tage, die man nie vergisst – II: 30.5., 6.6. und 10.6.1997
August 29, 2007
von TH
Als Fan von Kickers Offenbach muss man bekanntermaßen so Einiges durchmachen – aber insbesondere die Relegationsrunde zur Regionalliga 1997 hat mich einige Jahre meines Lebens gekostet. Es war wirtschaftlich extrem wichtig, dass die Kickers aufsteigen, sonst drohte – mal wieder – der Konkurs. Ja, ja – Oberliga, Regionalliga – ich weiß ja, das interessiert hier eigentlich kaum einen … aber was da alles in kurzer Zeit passierte… Read the rest of this entry ?

Tage, die man nicht vergisst: 7. Mai 1994
August 24, 2007von andi
Bundesligasaison 1993/94. Der Aufsteiger SC Freiburg steht vor dem 34. und letzten Spieltag der Saison auf Platz 16 mit zwei Punkten Rückstand auf den 1. FC Nürnberg. Nach der Vorrunde hatte man noch auf Platz 11 gelegen, aber dann ging den Freiburgern nach und nach die Puste aus und es ging kontinuierlich bergab: 13. nach dem 22. Spieltag, 14. nach dem 26. und 16. seit dem 29. Spieltag. Die Stimmung war dementsprechend schlecht in der Stadt. Sie oszillierte irgendwo zwischen Hoffen und Bangen, Fatalismus und Skepsis, Mutlosigkeit und Pfeifen im Wald: Im letzten Spiel musste in Duisburg gewonnen werden und Nürnberg durfte in Dortmund keinesfalls punkten, sonst waren wir abgestiegen.
An diesem alles entscheidenden Samstag stand ich morgens schon mit einem nervösen Magen auf, der nichtmal auf eine Tour durchs „Freiburger Bermudadreieck“ (Geier, Jazzhaus, Crash) zurückzuführen war, denn ich schrieb zu dieser Zeit gerade an meiner Abschlussarbeit für die Uni und lebte sehr vernünftig. Unkonzentriert ging ich zum Einkaufen und dann in die Wohnung meines Kumpels Dimitri
, der mit meiner damaligen Freundin und seiner Freundin an den Baggersee gefahren war: Es waren gut und gern 30 Grad, aber bei ihm konnte ich wenigstens auf dem Balkon sitzen beim Arbeiten. Wir hatten in unsrer WG keinen.
Ich breitete meine Unterlagen aus und versuchte, irgendwas hinzukriegen, aber es ging nicht. Um 15.30 hielt ich es schließlich nicht mehr aus und machte das Radio an. SWF 1, Bundeliga live. Unruhig rutsche ich auf meinem Stuhl hin und her, stehe auf, setze mich wieder. Dann geht’s los: Read the rest of this entry ?


